Realtime vs. Neartime

Realtime und Neartime beschreiben Konzepte in der Datenverarbeitung und -analyse in Bezug auf die Dauer und Geschwindigkeit der Gewinnung, Verarbeitung und Ausgabe von Informationen in einer IT-gestützten Anwendung.

Realtime bzw. "Echtzeit" bezeichnet dabei den Ansatz, dass Daten live bzw. unmittelbar und augenblicklich gelesen, verarbeitet und ausgegeben werden. Neartime bzw. "Zeitnah" meint dagegen, dass Daten verarbeitet werden, die entweder zum Zeitpunkt der Abfrage nicht 100% aktuell sind oder die Ausgabe der angeforderten Daten nicht unmittelbar erfolgt.

Als Beispiele für Realtime lassen sich z.B. Radar-Systeme, Satellitentechnik, Steuerung von Motoren- und Antriebssystemen oder die Anbindung von Geldautomaten an das Bankennetz nennen, welche regelmäßig in Echtzeit arbeiten. In diesen Fällen sind Realtime-Daten für die Verarbeitung unverzichtbar: Schon innerhalb einer kurzen Zeitspanne könnten signifikante Änderungen auftreten, weshalb selbst geringe zeitliche Abweichungen inakzeptabel sind und zu einer Fehlsteuerung führen können. Typischerweise sind Daten in Realtime Systemen unbrauchbar, sofern sie ein bestimmtes Alter (z.B. in Sekunden) überschritten haben.

Dagegen müssen Neartime-Daten nicht sofort, jedoch zeitnah bzw. so schnell wie möglich zur Verfügung gestellt werden. In IT-Systemen sind je nach Anwendungsfall Abweichungen von einigen Sekunden bis zu einigen Minuten akzeptabel. Die zulässigen Abweichungen hängen dabei vom konkreten Fall ab. Beispiel: Dispositive Systeme, die Auskunft über die Leistung über einen bestimmten Zeitraum geben, z.B. die Auswertung des Monatsergebnisses, die Verkaufsstatistik vom Vortag. Börsenkurse im Online-Trading werden ebenfalls gemeinhin als Neartime-Daten zur Verfügung gestellt, die jedoch nur wenige Sekunden / Minuten Verzögerung aufweisen dürfen. 

Die zeitliche Nähe zwischen Erhebung und Anforderung bei Neartime ist für viele Anwendungen ausreichend groß, so dass die Informationen eine zufriedenstellende Aktualität und Verfügbarkeit besitzen, selbst wenn sie einige Stunden oder Tage alt sind. Die Zeitverzögerung entsteht u.a. auch dadurch, dass die Daten häufig zu Analysezwecken zunächst von einer operativen Anwendung in ein separates, für Analysezwecke optimiertes System (z.B. Data Warehouse) überführt werden müssen, auf das entsprechende Berichte verweisen. 

Technisch gesehen lässt sich Realtime und Neartime nicht exakt abgrenzen, da je nach Anwendungsgebiet und eingesetzter Technik immer ein gewisser Zeitraum zwischen der Erzeugung von Daten und deren Verfügbarkeit/Auswertung liegt. In der Praxis spricht man jedoch von „Realtime“, sobald sich für den Anwender / Anwendungsfall keine spürbaren Verzögerungen ergeben.

Weitere Informationen

  • Kategorie: Glossar
  • Thema: Business Intelligence & Analytics