Cambridge Analytica | Der Skandal um die für politische Zwecke missbrauchten privaten Daten von fast 90 Millionen Facebook-Nutzern

Cambridge Analytica | Der Skandal um die für politische Zwecke missbrauchten privaten Daten von fast 90 Millionen Facebook-Nutzern Stanislau_V / Fotolia

Der Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytica begann mit der App „This is your digital life“, welche inzwischen nicht mehr in den App-Stores erhältlich ist. Wer sie installierte, erklärte sich bereit, dass private Daten wie z.B. seinen Wohnort und etwa gegebene Likes in der App für wissenschaftliche Zwecke protokolliert wurden. Der Vorfall wurde im März 2018 bekannt und erregte internationales Aufsehen, da eine Einflußnahme in Wahlen dieser Größenordnung durch ein privates Unternehmen und soziale Medien bisher nicht bekannt war.

Der Betreiber der App, der Neurowissenschaftler Dr. Aleksandr Kogan, erhielt jedoch nicht nur Zugang zu den Nutzern der App, sondern zudem auch auf die Daten der Facebook-Freunde sowie Freunde der Freunde. Dadurch sollen nach späteren Schätzungen Daten von etwa 87 Millionen Profilen angezapft worden sein. In Deutschland sollen etwa 300.000 User betroffen sein, in der EU etwa 2,7 Mio. User.

Beauftragt wurde Kogan von der Firma Cambridge Analytica. Sein Auftrag: er sollte ein Persönlichkeitstest in Form einer Umfrage-App konzipieren. Doch damit nicht genug: neben den Umfrageergebnissen lieferte Kogan auch noch die Daten der einbezogenen Facebook Nutzer, ohne deren Zustimmung oder Information. Dies sei 2014, zum Zeitpunkt der Sammlung der Daten nach damaliger Systemfunktionalität noch möglich, wurde aber von Facebook ab ca. 2015 unterbunden.

Aufgeflogen ist der Datenskandal, als der Programmierer Christopher Wylie, einer der Mitbegründer von Cambridge Analytica, sich gegen sein Unternehmen stellte und zugab, dass Cambridge Analytica das Wahlkampfteam von Donald Trump mehrmals mit der gezielten Ansprache von Wählern im Internet unterstützt habe. Laut der ehemaligen Mitarbeiterin Brittany Kaiser könne die Anzahl der betroffenen User noch weitaus höher als die bisher angenommenen 87 Mio. Accounts liegen, da Cambridge Analytica neben der betroffenen App „This is your digital life“ noch eine Vielzahl weiterer Apps und Umfragen betreute, die mit Facebook Login funktionierten.

Ungeklärt ist jedoch, ob die von Facebook erhaltenen Daten im Wahlkampf tatsächlich zum Einsatz kamen, und ob diese Unterstützung letztendlich einen Einfluss auf das Wahlergebnis hatte. Inzwischen hat Cambridge Analytica seinen Betrieb eingestellt und das Unternehmen aufgelöst. Facebook-Chef Mark Zuckerberg entschuldigte sich öffentlich für die Versäumnisse in seinem Unternehmen.

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  • Kategorie: News
  • Thema: Cyber Security

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